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1. Frauentörn 2010 - women only von Kiel – Wolgast

Am Anreisetag hatten viele Teilnehmerinnen des ersten Frauentörns schon eine Nacht auf der Kieler Woche genossen, sozusagen als Training für das was sie in Wolgast erwarten würde. Der Rest der 18 Seglerinnen trudelte so über den Tag verteilt ein, teilweise auf dem üblichen Weg, die ganz Spontanen kamen über Nacht mit dem Gummitaxi angereist (Ankern vor Heikendorf hieß, dass Kptn. Conni leiderleider das Fussballspiel verpassen musste, oooooooh).

Die Pressgang hatte ganze Arbeit geleistet, das letzte Opfer – eine hübsche Matrosin – wurde erst am Tag zuvor auf dem CSD in Berlin shanghait.

Am Montag begann der Tag mit Trockenübungen, für die Roald- und „Seglerinnen“-Gastcrew an Backstag und Preventer, für die Leichtmatrosinen an einer beliebigen Nagelbank zum Kopfschlag und Aufschießen üben. Kaum drehten die Ausbilderinnen ihnen den Rücken zu, begannen sie auch schon, sich unverschämterweise gegenseitig weiterzubilden und stellten ununterbrochen lästige Fragen zum Thema. Die theoretische Ausbildung begannen wir frühzeitig mit der Lektüre der „Perfekten Bordfrau“.

Währenddessen motorten wir also aus der Kieler Förde raus und beschlossen, dass ein, zwei Segel dem Fortkommen nicht schaden könnten. Also an das Piek- und an das Klaufall und hoch den Lappen auf dass wir schneller nach Langeland kämen. Dort nahmen wir dann Groß und Fock wieder runter und änderten den Kurs gen Osten, dem abnehmenden Wind entgegen.

Die Nachtfahrt führte dann zu den ersten Karrieresprüngen für Marion, Seele und Anita vom Trainee zu Maschinenassi damit unsere Inga auch mal ein Auge zu tun konnte.
Die Nacht war überraschend kurz, der nördliche Himmel wurde nicht richtig dunkel (Polarlicht auf Standbild) und um 2 setzte die Dämmerung schon wieder ein.

Der nächste Tag war schon wieder ein Sonniger und wir bekamen Lust auf Strand. Also nachmittags fix den Anker vor Hiddensee weggeworfen und zum baden (10 Grad Wassertemperatur), strandliegen, spazierengehen, einkaufen und Holunderblütensammeln ausbooten. Abends dann kleine Session auf dem Achterdeck (Maschinistin an Harfe und Dreckshand an Querflöte).

Die angekündigte Kaltfront zog freundlicherweise binnen 3 Stunden durch, dann war es wieder sternklar. Der nächste Tag bescherte uns herrliches Segelwetter, wir wendeten vor Cap Arkona und steuerten mit 7 Knoten Fahrt Saßnitz an ( 9,4 Knoten Spitze vor dem Königsstuhl, die Roaldinen erblassten vor Neid und hatten zum ersten mal Spaß beim Segeln bei Windstärke 3-4).

Wenn wir uns gerade nicht mit Segeln beschäftigten, kletterten die meisten überall im Rigg herum, Connis Muddi Bärbel stellte die Galionsfigur, Sabine kletterte sogar erstmals auf die obere Jumpstagspreize, die Agileren rannten über die Großschot um einen Blick auf die Leeseite des Großsegels zu werfen.

Saßnitz war unser erster Hafen, den wir natürlich gründlich zu feiern wussten. Klar bei Kantinenlenzpumpe, der Landgang danach war allerdings wegen einer muffeligen Bedienung im einzigen Lokal mit genügend Sitzplätzen leicht enttäuschend (naja, eigentlich waren wir müde gespielt)

Vor dem Segelsetzen am nächsten Tag griffen wir noch schnell todesmutig ein Arbeitsboot an (2 fette Feuerspritzen in Aktion hatten uns provoziert) und schlugen es in die Flucht. Wir brachen die Verfolgung aber ab, weil wir zum einen klare Sieger waren und zum anderen lieber segeln wollten. Also Lappen hoch und rein in die Flaute. Mit 1,7 Knoten unter Groß und Vorsegeln und abnehmenden Wind ergriffen wir die Chance das Topsegel auszuprobieren. Es bringt echt was! Das Packen zog sich dann zwar etwas hin, aber abends hing es dann wieder picobello an der Stenge. Da waren wir dann auch schon fast in Peenemünde angekommen.

Von dort zu vermelden: Die beiden einzigen BewohnerInnen besitzen eine Kneipe mit geilen Eisvariationen im Angebot. Den Rückweg zum Schiff mussten wir mit einem geborgten Ponton zurücklegen, da sich uns auf dem hinweg ein böser Wachmann mit noch böserem Hund entgegengestellt hatte. Als wir zurückkamen, waren selbst die Mücken schon am schlafen.

Um die Ankunft in Wolgast möglichst lange hinauszuzögern, entschieden wir uns für ein spätes Frühstück und die Mittagsbrücke und waren so gerade noch rechtzeitig fest um die Wäsche gewaschen zu bekommen. Danach war alles ein wilder Brei aus üblem Hafenlärm, noch mehr Sonne, Abschiedsschmerz, unerschöpflichen Weinvorräten und rauchigen Fischplatten der sich über das ganze Wochenende hinzog.

Törnberichtkollektiv Heike, Gisela, Heidi, Marion, Tine, Verena.